FZG DIREKTORIN

Penny Boyes Braem

Penny Boyes Braem absolvierte ihr Master Studium (MA) an der Harvard Universität und ihr PhD an der Universität von Kalifornien in Berkeley, bei Professor Dan I. Slobin und Ursula Bellugi (Salk Institute) als Mentoren. Für ihre Masterthese machte sie eine der ersten Studien über den Erwerb der Handform in Amerikanischer Gebärdensprache (ASL) (Boyes Braem 1990b). Ihre Dissertation behandelte das Thema der Ikonizität durch die Analyse von ikonischen Metaphern und Metonymien auf der Grundlage konventioneller ASL-Gebärden (Boyes Braem 1980). 2014 erhielt Dr. Boyes Braem die Ehrendoktorwürde der Universität Zürich.

Seit 1974 lebt Boyes Braem in der Schweiz. Von 1982-86 war sie Direktorin des ersten Schweizer Gebärdensprachdolmetscher-Ausbildungsprogramms landesweit (für französische Gebärdensprache in Lausanne/Genf). 1982 gründete sie das Forschungszentrum für Gebärdensprache (FZG) in Basel, in welchem sie in den folgenden Jahren Studien über verschiedene Aspekte der Deutschschweizer Gebärdensprache und Gestik von hörenden Personen, oft in Zusammenarbeit mit Kollegen und Institutionen aus der Schweiz, Italien, Deutschland und England, durchführte.

Von 2000 – 2007, war Boyes Braem Gründerin der GS-Media (Zürich), einer privaten Institution, die CD-ROMS und Bücher über die Deutschschweizer Gebärdensprache entwickelte (siehe Bibliografie). Von 1993 – 2010, war Boyes Braem Vorstandsmitglied des Vereins zur Unterstützung der Gebärdensprache, VUGS (Zürich).

Forschungsinteressen

Eine der Forschungsinteressen von Boyes Braem in der Schweiz galt dem Vergleich von Gebärdenformen von Früh- und Spätlernern der Deutschschweizer Gebärdensprache DSGS unter besonderer Beobachtung ihrer lautlosen Artikulation von deutschähnlichen Wörtern sowie rhythmischen Körperbewegungen als prosodische Merkmale. Ein weiterer Studienfokus war das Lexikon mit der Beschreibung konventioneller, umgangssprachlicher Gebärden sowie Äquivalenten für das Fachvokabular. Die Problematik des schriftlichen Festhaltens dieser visuell/körperlichen Sprache wurde mit Projekten erforscht, in denen sowohl spezielle Notationssysteme (SignWriting, HamNoSys) als auch Datenidentifikationsprogramme, wie die an der Universität Hamburg verwendete "iLex" Korpus Lexikon Software, verwendet wurden.

Ein anderer Forschungsfokus war, Methoden und Modelle, welche für die Analyse von Gebärdensprachen entwickelt worden waren, dazu zu benutzen, die Gesten von Orchesterdirigenten mit ihrer nicht dominanten Hand, sowie Gebärden (als Gesten) von Nicht-Gebärdensprachkundigen in einer Europäischen Gebärdensprache, zu interpretieren. Sie beendete kürzlich eine Studie mit einer Kollegin der Bristol Universität (Rachel Sutton-Spence), in der Produkte und der Prozess von Gebärdensprachpoesie gehörloser Poeten mit pantomimischen Parodien von hörenden Mimen verglichen werden.

Publikationen (siehe Bibliografie)

Boyes Braem veröffentlichte sowohl zahlreiche Artikel über Gebärdensprache und Gesten (siehe Bibliografie) als auch drei Bücher (Boyes Braem und Sutton-Spence 2000; Boyes Braem 1990/1995; Loncke, Boyes Braem, Lebrun 1984). Von 1983 – 2010 war sie Verfasserin (oder Mitverfasserin mit Benno Caramore) der Informations-Heft Serie, die vom Verein zur Unterstützung der Gebärdensprache (VUGS), Zürich, herausgegeben wurde.

Unterricht und Gastreferate

Boyes Braem unterrichtete Studenten in der Dolmetscher- und Gebärdensprachlehrerausbildung in der Schweiz in Gebärdensprach-Linguistik-Kursen und gab Kurse und Gastreferate über Gebärdensprach-Linguistik an verschiedenen Universitäten in der Schweiz und im Ausland.

Beratungs- und Informationstätigkeit bei Doktoratsdissertationen

Doktoratsdissertationen der Universitäten von Amsterdam, Dublin, Hamburg, Klagenfurt, Kopenhagen, Neuchâtel, Rom und Zürich.

KOMITEE MITGLIED

Programmkomittee, Sign Language Workshops an IREC Kongresse

Organisationskomitee, internationale Tagung "From Hand to Mouth: A dialogue between spoken and signed language research", ZüKL, Universität Zürich (5.- 7. September 2013).

Wissenschaftliches Komitee, DGS-Korpus Projekt, Universität Hamburg / Akademie der Wissenschaften in Hamburg (2010-2017).

Das FZG ist ‚assoziiertes Mitglied' des Zürich Kompetenzzentrum für Linguistik (ZüKL) der Universität Zürich.

MITARBEITENDE AN AKTUELLEN FZG-PROJEKTEN

Sarah Ebling (iLex-CH, DGS-DSGS lexikale Vergleiche, Fachlexika, semantische Analyse)
Dr. Sarah Ebling ist eine Linguistikerin mit Schwerpunkt Computerlinguistik. Ihre Doktoratsdissertation ‘Trainslate’ entwickelte eine automatische Übersetzung von deutschsprachigen Eisenbahnanzeigen in eine Avatarversion in DSGS für Smartphones. Ebling war eine der Hauptakteurinnen bei der Übertragung der existierenden DGSG FileMaker Datenbank in die gegenwärtige iLex-CH Form. Sie hat mit Boyes Braem bei verschiedenen Präsentationen und Artikeln zusammengearbeitet und vertritt ihren Schwerpunkt als Mitglied des Aufsichtskommittees von iLex-CH für entsprechende gegenwärtige und zukünftige iLex-CH Projekte. Ebling arbeitet u.a. an ihrem SNF (Schweizer Nationalfonds)-Projekt „SMILE“ sowie am aktuellen Projekt ‘Online-Handbuch der DSGS Grammatik’.

Simone Girard-Groeber (iLex-CH, Gesprächsanalyse)
Dr. Simone Girard arbeitet in mehreren Projekten mit, an denen das FZG teilnahm (z.B. am Weblexikon für Technische Ausdrücke (link: www.fachgebaerden.org)). Als Spezialistin für Konversationsanalye befasste sie sich sowohl in ihrer Master- und Doktoratsdissertation wie auch in ihrem kürzlichen Projekt des Schweizerischen Nationalfonds auch mit den Aspekten von DSGS auf Diskursstufe. Sie ist im Aufsichtskommittee für das laufende iLex-CH Projekt. Zur Zeit arbeitet Girard als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Integration und Partizipation an der Fachhochschule Nordwestschweiz – Schule für Sozialarbeit in Olten.

Lorenz Nagele (Website für das Lexikon von Technischen Begriffen [Fachgebaerden Lexikon])
Lorenz Naegele studiert Computerlinguistik und allegemeine Linguistik an der Universität Zürich. Mit seiner Erfahrung in Web-Entwicklung hat er die Website neu programmiert und dabei die neuen Technologien berücksichtigt.

Sandra Sidler-Miserez (HamNoSys Notation)
Sandra Sidler ist gelernte und erfahrene Ausbildnerin der Deutschschweizer Gebärdensprache (DSGS). Als Forscherin arbeitete sie mit Boyes Braem an verschiedenen früheren Projekten, einschliesslich der DSGS-Lexikon-Forschungsdatenbank und an einer CD-ROM mit einem Lexikon für Kinder im Primarschulalter mit. In der Schweiz ist sie sehr bekannt, weil sie Videomodell für verschiedene Gebärdensprachprodukte war, nicht nur für jene, welche vom oder in Zusammenarbeit mit dem FZG produziert wurden, sondern auch auf dem aktuellen SGB-FSS online Lern-Lexikon der DSGS. Sidler ist ausserdem eine erfahrene Schreiberin von Gebärden mit dem Hamburg Notation System (HNS). Sie arbeitet momentan im FZG Projekt, welches die HNS Notation aller 9000 Gebärden in der Lexikon-Forschungsdatenbank als Vorbereitung für die Integration in die iLex Form weiterführt. Sidler ist muttersprachliche DSGS-Benutzerin. Sidler liefert HNS Notation für DSGS-Gebärden im iLex-CH Lexikon in Projekten des FZG und anderer Institutionen. Sidler arbeitet aktuell am ‘Projekt ‘Online-Handbuch der DSGS Grammatik’.

Katja Tissi (ILex Annnotation, Online Handbuch DSGS Grammatik)
Katja Tissi ist seit vielen Jahren Mitarbeiterin bei verschiedenen Projekten, die mit dem FZG in Verbindung stehen. Sie ist auch ein eine erfahrene Lehrerin im DSGS Dolmetscherausbildungsprogramm. Tissi ist als gebürtige Gebärdensprachperson im Aufsichtskommittee des laufenden iLex-CH Projektes und wirkt auch oft als Beraterin für eine weite Auswahl betreffend Fragen zur DSGS.Tissi ist Leiterin des aktuellen Projektes ‘Online-Handbuch der DSGS Grammatik’.

SCHWEIZERISCHE UND INTERNATIONALE ZUSAMMENARBEIT

Richard Bowden (University of Surrey): SMILE Projekt.

Mathew Magimai Doss & Oya Aran (Idiap Research Institute, Martigny, Switzerland): SMILE Projekt.

Thomas Hanke, Reiner Konrad, Gabriele Langer, Dolly Blanck, (Universität Hamburg, Institut Deutsche Gebärdensprache und Kommunikation der Gehörlosen): iLex, Corpus Linguistics, HamNoSys.

Tobias Haug (HfH, schweizersiche und europäsiche Projekte)
Dr.Tobias Haug (Fachhochschule für Heilpädagogik Zürich, HfH) ist Spezialist für Forschung an Gebärdensprach Dolmeschen und Gebärdensprachtests. SignMet Projekt, Sign Repetition Task Project, SMILE Project, iLex Corpus-DSGS.

Rachel Sutton-Spence (Federal University of Santa Catarina, Brazil) Projekt: Gehörlose Poeten und hörende Pantomimen.

Virginia Volterra (Consiglio Nazionale dell Richerce, CNR, Rom)
Artikel und Forschung über Gebärdensprache und die Entwicklung innerhalb der Gebärdensprachgemeinschaft, Gebärdensprache und Gesten.